San Diego

Die Perle Kaliforniens

Daniel Schröer

Kaum eine Stadt hat mich mehr überrascht als San Diego. Bei meinem ersten Westküstentrip noch ausgelassen, da sie etwas abseits liegt, hatten wir diesmal zum Glück mehr Zeit und verbrachten drei großartige Tage in einer Stadt, in der man auch problemlos eine ganze Woche verweilen könnte. Es fing für uns als Hundefreunde schon ideal an, hatten wir unterwegs doch vom berühmten Dog Beach gelesen, einem wirklich schönen Strandabschnitt, der exklusiv für Hunde freigegeben ist. Wir parkten dort entsprechend gespannt und schmunzelten direkt über die großen vom örtlichen Tennisclub zur Verfügung gestellten Boxen mit gebrauchten Tennisbällen. Das coolste Strandspielzeug, noch dazu for free. Ideal. Und es war tatsächlich voll, locker einhundert Hunde tobten, rannten, schnupperten und plantschten herum, während ihre Besitzer miteinander quatschten, relaxten oder am Smartphone hingen.

Selbst als Besucher hatte man Gelegenheit, den ein oder anderen Ball zu werfen, da es an Spielkameraden nicht mangelte. Wir wurden im Verlauf dieses kurzweiligen Nachmittags als Bonus mit einem wundervollen Sonnenuntergang belohnt und hatten San Diego direkt ins Herz geschlossen. Nur schwer konnten wir uns losreißen, um unsere Unterkunft aufzusuchen, machten uns dann aber doch auf den Weg...


... um erneut begeistert zu werden. Klar, wir hatten gelesen, dass das Rambler Motel besser sein sollte, aber diese atmosphärische Rückkehr in die 50er Jahre kam dann doch überraschend. Die Zimmer waren hübsch eingerichtet, nicht spektakulär, aber doch besser als in allen anderen Motels auf dem Weg. Was aber hängen blieb, war der Gesamteindruck. Neon-Beleuchtung, eine stylische Rezeption, ein Restaurant im Diner-Stil mit Avocado-Toast und Co, dazu ein Pool mit Feuerstelle und Hot Rod-Atmosphäre allerorten. Dazu Weitblick auf das Meer und ein Casino nebenan, welches ebenfalls über eine gute Küche verfügt. Dieser Stopp hatte es in sich. 


Entsprechend euphorisiert ging es an die Entdeckung des berühmten Gaslamp Quarter, dem Party- und Ausgehviertel in San Diego, wo sich alles begegnet, was Rang, Namen und Spaß am abendlichen Amüsement hat. Das Parken fiel etwas schwer, nach gut einer Stunde suchen mussten wir doch zähneknirschend einen der 15$-Parkplätze akzeptieren, obwohl wir uns gar nicht allzu lange aufhalten wollten. Nun gut, kann nicht alles klappen.

Dafür trafen wir auf unserem Weg durch die Straßen auf einen Musiker, der uns fragte, ob er persönlich für uns singen dürfe. Er sei eine kleine Berühmtheit und auch, wenn er den Look eines Obdachlosen hatte, sprachen ehrliche Augen aus seinem vom Leben gezeichneten Gesicht. Und in der Tat, sein Song ging unter die Haut, wir feierten etwas auf dem Bürgersteig und belohnten den guten Mann selbstverständlich mit ein paar Dollar. Er verriet uns seinen Namen, Pops Freeman, und sagte uns, dass man ihn bei YouTube finden könne. Das stimmt tatsächlich, daher empfehle ich euch, einfach mal nach ihm zu suchen. Er ist Teil einer kleinen Street-Doku in Seattle gewesen und uns hat diese Begegnung viel bedeutet.


Ansonsten hatte das Gaslamp Quarter zwar durchaus Flair, umgehauen hat es uns aber nicht direkt. Wir haben in ein paar Läden gestoppt, etwas getrunken und Wings verdrückt, aber hier wurden wir nicht, wie zuvor in LA oder Berkeley, direkt Teil des Ganzen. Dennoch war es ein lohnenswerter Ausflug, allein schon wegen der Gesangseinlagen von Pops, wovon wir in den nächsten Tagen noch dem ein oder anderen auf unserem Weg berichteten. Zurück im Motel aßen wir noch eine Kleinigkeit im Casino und ließen den Tag bei entspannter Musik ausklingen.


Nach einer ruhigen Nacht stand der Balboa Park auf dem Programm, San Diegos wunderschöner Stadtpark, der den riesigen und vermeintlich sehr sehenswerten Zoo, aber auch jede Menge andere schöne Fleckchen beheimatet. Alleine die historischen Gebäude innerhalb der von einem Trolley angefahrenen Parkanlage lohnten eine Besichtigung, die umherfliegenden Kolibris sorgten für zusätzliche Lebensfreude und der Künstlermarkt sucht wohl in den USA seinesgleichen.

Nach einigen Stunden im Balboa Park ging es noch zu unserem persönlichen San Diego-Highlight, der Historic Old Town. Hier atmet man mexikanisches Flair und stellt endgültig fest, dass die Staatsgrenze nur wenige Kilometer entfernt liegt. Authentisches Essen, Tequila im Frida Kahlo Stil, eine originalgetreu erhaltene Westernstadt und unzählige Shops in kleinen Märkten drum herum laden zum flanieren, genießen und entdecken ein. Hier hätte ich mehrere Tage verbringen können, weil es einfach an jeder Ecke etwas Neues gab. Außerdem machte es uns tatsächlich Lust auf Mexiko, so dass wir umgehend recherchierten, wie man einen Ausflug in die gefährlichste Stadt der Welt, Tijuana, realisieren kann. 


Dieser Gedanke verfestigte sich am Folgetag umso mehr, als wir eigentlich zum Outlet-Shopping das Outlet at the Border besuchten und schon bei der Anfahrt ein Gefühl aus Faszination und Beklemmung entwickelten. Von der Autobahn aus konnte man den hohen Grenzzaun deutlich erkennen, dazu das dahinter liegende, völlig zugebaute Tijuana und eine magische Anziehungskraft spüren. Das Outlet selbst war supergünstig, sehr empfehlenswert und nahezu jeder Verkäufer sprach ausschließlich Spanisch, da bevorzugt Mexikaner zum Einkaufen herkommen. So entschieden wir uns, das vermeintliche Risiko einzugehen und buchten über AirBNB bei David und Jason eine Tagestour durch diese Stadt - die wohl beste Entscheidung der gesamten Reise, der wir hier einen eigenen Artikel widmen. Alles an dem Ausflug nach San Diego hatte sich mehr als gelohnt und ich kann euch alle Teile des Ausflugs absolut empfehlen.


Keep on rockin’
Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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