Peru

Machu Picchu: Ein Weltwunder

Daniel Schröer

Es gibt Orte, Bauwerke, Gegenden, die sind so gehyped, dass die in sie gesteckten Erwartungen eigentlich niemals zu erfüllen sind. Ob es nun zu voll ist, zu teuer, weniger imposant als gedacht, es gibt viele Gründe, warum sich statt Freude Enttäuschung breit macht. Und so erfüllte uns beim Aufstehen zwar gespannte Erwartung, doch richtigen Enthusiasmus erlaubten wir uns nicht. Ein stückweit wurden wir zunächst auch darin bestätigt, galt es doch, sich in eine unfassbar lange Schlange einzureihen. 


Vom Bahnhof am Fuß des Ortes bis fast ganz hinauf stauten sich die Touristen, um von Bussen bis zur Pforte des heiligen Ortes gebracht zu werden. Dann und wann schlichen müde Backpacker an der Schlange vorbei, die sich aus Abenteuerlust, Naturverbundenheit oder um Geld zu sparen auf den gut zweistündigen Fußweg hinauf wagten. Für uns war dies aufgrund der Fußverletzung ja keine Option mehr, weshalb wir uns in der Sonne aalten und parallel einem Streuner einige Streicheleinheiten verpassten.

Selbiger hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die ihre Handkarren schiebenden Händler mit lautem Gebell anzutreiben. Ein köstliches Szenario, das die Zeit bis zum Einstieg in den Bus deutlich schneller verstreichen ließ. Über eine Vielzahl von Serpentinen ging es in 30 Minuten hinauf und oben auf dem Vorplatz schienen sich unsere Befürchtungen unmittelbar zu bestätigen. Es war zum Bersten gefüllt, sowohl vor der Kasse, als auch vor dem Eingang waren Menschentrauben und es fiel schwer, sich überhaupt einen Überblick zu verschaffen. Guides priesen ihre Dienste an und behaupteten, ohne sie sei keine Besichtigung der Städte möglich – was gelogen ist. Glücklicherweise hörten wir nicht auf sie, zogen von dannen und gelangten schnurstracks und voller Zuversicht an einer wartenden Gruppe vorbei bis direkt vor den Eingang. Niemand sonst schien sich die Treppe hoch zu trauen, so winkten wir mit unseren Tickets und tadaaaa – man gewährte uns ohne jegliche Einschränkungen Einlass.


Unmittelbar nach Betreten des Wunderwerks schien eine Art spiritueller Geist in uns gefahren zu sein. Machu Picchu gehört eindeutig nicht zu der vorgenannten Kategorie überschätzter Sehenswürdigkeiten. Egal wie teuer es war, wie nervig sich die Wartezeit auf die Busse gestaltete oder wie viele andere Menschen sich parallel dort aufhielten: es war und ist einfach atemberaubend. Die Magie dieses Ortes ist schwer in Worte zu fassen und seine Mystik wird umso sichtbarer, wenn die Sonne auf dieses Monument strahlt und man die Gelegenheit hat, diesen Augenblick von oben herab nahezu ungestört genießen zu können. Denn das war unser Glück – durch den Coup auf der Treppe hatten wir gehörigen Vorsprung vor der nächsten Gruppe und waren an vielen Stellen zunächst völlig allein. Selbst dort, wo man das traditionelle Bild von oberhalb der Zitadelle schießen kann. Ein Traum.

Gerade diese Ausblicke von oben, die Zitadelle im Vordergrund mit den weit gen Himmel aufragenden Bergen dahinter, möchte erlebt werden. Bilder gibt es viele, auch ich lasse sie hier sprechen, doch wirklich auf dieses Inka-Kunstwerk zu blicken, durch die Gänge zu streifen und die damalige Lebensweise in sich aufzunehmen, ist durch nichts zu ersetzen. Fast vier Stunden haben wir uns dort aufgehalten (wer einen Guide hatte, musste in gut zwei Stunden durch hetzen) und durften die scheinbar dort lebenden Alpacas streicheln. Eines war zudem bestrebt, Insta-Star zu werden, posierte es doch in Seelenruhe am Hang, freute sich über Gesellschaft und diente so als surreal perfektes Topping der Machu Picchu-Fotosession.


Wir bestiegen die Brücke der Inkas, unterhielten uns mit einem Mitarbeiter, der unter der Hand dringend benötigte Wasserflaschen verkaufte und schossen unzählige Fotos. Uns war in keiner Sekunde langweilig, wir sogen diesen Ort förmlich in uns auf, bestrebt, diese Erinnerung bis zum Ende aller Tage kompensieren zu können. Am Ausgang holten wir uns noch den offiziellen Machu Picchu-Stempel ab, der nun den Reisepass verschönert und als Bestätigung für uns gilt, wirklich dort gewesen zu sein. Obwohl wir im Anschluss eine weitere Stunde in der Schlange auf den Bus nach unten warten mussten, hat sich dieser Trip doch mehr als gelohnt. Auch auf der Zugfahrt zurück nach Ollantaytambo schienen alle Fahrgäste beseelt von diesem Erlebnis und es herrschte eine ungewöhnlich meditative Stille. Wer auch immer die Gelegenheit hat, lasst euch nicht abschrecken, es gibt nur wenige Möglichkeiten, solche Weltwunder in Natura erleben zu dürfen.

Keep on rockin‘

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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