Peru

Historisches Cusco

Daniel Schröer

Cusco. Es sollte das städtische Kleinod der Reise sein, insbesondere die Altstadt wird in den diversen Reiseführern in höchsten Tönen angepriesen. Da Ollantaytambo sowieso in der näheren Umgebung liegt und in unseren Gedanken ein Verlassen des Landes immer konkretere Züge annahm, gönnten wir uns nach einem letzten Frühstück in unserer Unterkunft für die gut 90minütige Fahrt ein privates Taxi. So konnten wir die Landschaft besser genießen und, noch wichtiger, die Gedanken in entspannter Atmosphäre fließen lassen. Der Fahrer war herausragend gut und wusste genau, wann wir offen für Sightseeing waren (oder eben auch nicht). 


So zeigte er uns gleich zu Beginn der Fahrt ein außergewöhnliches Hotel, welches Schlafkapseln in einer steilen Felswand anbietet. Hier muss man permanent über einen Klettersteig hinauf und hinab steigen, auch wenn in der Kapsel alle hygienischen Bedarfe gestillt werden können. Sogar eine Café-Kapsel existiert in 300 Metern Höhe, so dass sich die einzelnen Kapselbewohner in luftiger Höhe zum Frühstück treffen können. Wirklich coole Sache.

Danach ging es eher schweigend weiter, denn wir zeigten offenbar kein gesteigertes Interesse an einer Unterhaltung. Zu sehr waren wir mit unseren Gedanken beschäftigt. Parallel verdeutlicht sich die Schönheit des heiligen Tals bei Sonnenschein in einem Taxi erheblich eindringlicher, als in einem schaukelnden Minivan mit Platzmangel. Wer nicht low budget unterwegs ist, sollte sich so eine Fahrt durchaus mal gönnen, so kommt man dem irrwitzigen Dorfleben etwas näher, in dem die Häuser fast unmittelbar auf den Schienen gebaut zu sein scheinen und jeder Zug die ganze Umgebung aufscheucht. 


Nach und nach rückte Cusco näher, was man insbesondere daran merken konnte, dass die auf Häuserwände gesprühten Parolen beständig zunahmen und agressiv um Wähler irgendeiner bevorstehenden Wahl warben. Durch den zunehmenden Verkehr langsamer werdend rollten wir schlussendlich in der Stadt ein, die schon beim ersten flüchtigen Blick vor einigen Tagen voll und dreckig wirkte und sich bis zur Tür unseres Hotels nur unwesentlich schöner zeigte. Das Hotel machte jedoch einen kolonial-schicken Eindruck, weshalb wir uns erstmal einen Tee auf der Terrasse genehmigten und den Blick schweifen ließen. Jawohl, von hier oben, auf die Altstadt hinab schauend, konnten wir die viel beschworene Schönheit erahnen. Cusco musste tatsächlich faszinierende Ecken parat haben, die es sodann zu erkunden galt.


Tatsächlich kann man hier eine chillige Zeit verbringen, so man denn nicht außer Atem gerät. Denn die Stadt liegt auf 3399 Metern Höhe (zum Vergleich, der Teide, Spaniens höchster Berg, ist 3715 Meter hoch), was insbesondere die asiatischen Gäste zum Kauf portabler Sauerstoffflaschen verleitete, die hier tatsächlich reißenden Absatz finden.

Ein wenig fühlte man sich dadurch in einen apokalyptischen Science-Fiction Film versetzt, so spacig und unwirklich wirkte diese Szenerie. Wir kamen allerdings auch ohne diese Hilfsmittel erstaunlich gut zurecht, obwohl der steile Anstieg zum Hotel mittels einiger Verschnaufpausen dann und wann unterbrochen werden musste. Aber auch wegen der wahrhaftig wunderschönen Altstadt kann einem schon mal die Luft wegbleiben. Alles konzentriert sich um den zentralen Platz „Plaza Haukaypata“, um den sich eine Vielzahl von Restaurants, Kirchen und Shops anordnen. Das wuselige Treiben der Touristen bestimmt zwar die Aktivitäten der Händler, die an jeder Ecke überteuerte Kunst, Selfiesticks oder auch Alpaca-Schlüsselanhänger anbieten, doch hat die Altstadt noch genügend einheimische Passanten, so dass die Magie eines fremden Ortes noch nicht durch die Touristenkurve ins Negative gekippt wurde (Helge Timmerberg sagte mal, wenn mehr als 30% der Anwesenden aus Touristen bestehen, schwindet jegliche Faszination des Einheimischen – ich gebe ihm da weitestgehend recht, sofern man es z. B. bei etwas wie Machu Picchu nicht schafft, sich mental völlig von allem drum herum zu lösen).


So waren die Tage in Cusco, durch die Gassen schlendernd, dem Kunsthändler auf den Leim gehend und auf dem Platz die Sonne genießend, in Gänze die schönsten der vergangenen zwei Wochen. Was uns aber gleichzeitig frustrierte, denn nach der schönsten Stadt würden wieder anstrengende Busfahrten, unsichere Wege und fragwürdige Mahlzeiten drohen. 

Mit Fußverletzung, Magenproblemen und daraus resultierend seelischer Angeschlagenheit wuchs daher die Überzeugung, das Abenteuer Peru nun anzubrechen – trotz vierstelligem finanziellen Verlust, denn Gesundheit geht vor. Wir gönnten uns noch etwas Bedenkzeit, durchstreiften interessante Markthallen und kosteten vorzügliches Sushi, doch als uns selbst das zuckersüße Baby-Alpaca, welches uns ohne Vorwarnung in die Arme gelegt wurde, nicht umstimmen konnte, war die Entscheidung getroffen. Wir würden das Land verlassen, aber nicht die Reise an sich abbrechen. Ein Inlandsflug mit Latam brachte uns zunächst nach Lima zurück, von wo es dann kurze Zeit später zum nächsten Abenteuer ging: Wir wollten alternativ einen Roadtrip entlang der US-Westküste unternehmen und so betraten wir erneut ziemlich ungeplant ein Flugzeug, das uns über Los Angeles nach Las Vegas bringen sollte – wo zumindest für ein paar Tage ein komfortables Zimmer darauf wartete, uns mental und körperlich wieder in die Spur zu bringen. Aber dazu demnächst mehr.


Keep on rockin‘

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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