Peru

Ein zweites Fernbus-Abenteuer

Daniel Schröer

Ein neuer Tag, von Beginn an mit hoher Intensität. Alles wollte wieder gut verpackt werden, um am Abend entspannt zum Bus zu gelangen. Schon vor einigen Tagen stellte sich die Frage, ob es sinnvoll sein könnte, eine Verlängerungsnacht zu buchen, da die Abfahrt erst am Abend anstand und Ica zum Einen nicht so viel zu bieten hat, zum Anderen mit zwei schweren und zwei leichteren Rucksäcken sowieso nicht entspannt zu erkunden wäre. Dementsprechend entschlossen wir uns zur Verlängerung, wodurch wir unser Zimmer zumindest tagsüber als Rückzugsort zur Verfügung hatten. Viele andere Backpacker gingen anders vor und lungerten den ganzen Tag mit ihren riesigen Rucksäcken in den Gängen der Unterkunft herum. Für uns war das keine realistische Option.

Trotz des Zimmers wollte der Tag dennoch irgendwie überbrückt werden, denn stundenlang auf die gegenüberliegende Betonmauer zu starren und auf eine weitere Show des Nachbarshundes zu warten, verliert nach einiger Zeit auch seinen Reiz. So traf es sich gut, dass gleich nebenan eine schon seit den 70er Jahren existierende Pralinenmanufaktur beheimatet war. Wir durften die Fertigung besichtigen und die Handfertigkeit bewundern, mit der aus Schokoladenkügelchen feinste kulinarische Kunstwerke geformt wurden.


Einige Pralinen später, die wie erwartet sehr lecker waren, befanden wir uns auf einer abenteuerlichen Fahrt mit einem Mototaxi in Richtung Huacachina. Die Mototaxis sind mit den thailändischen Tuktuks vergleichbar und es macht echt Spaß, als Beifahrer durch den Stadtverkehr zu brausen – auch wenn bei der Fahrweise aller Einheimischen durchaus schon mal ein kleiner Adrenalinstoß daran erinnert, dass die Knautschzone recht eng ist und Zwischenräume von 1cm sehr wenig sind. Aber um der Oase ohne Zeitdruck einen zweiten Besuch abzustatten und eine Kleinigkeit zu essen, haben wir dieses Abenteuer gern in Kauf genommen.


So nah man dem Chaos auf den Straßen Perus hier kommt und unmittelbar erleben kann, dass sich alles irgendwie ineinander fügt, so stellt man auf dem letzten Abschnitt zur Oase doch erstaunt fest, wie rasch es still und beschaulich wird. In Huacachina angekommen, stellten wir mal wieder fest, dass ein Aufenthalt hier vermutlich erheblich chilliger als in Ica gewesen wäre. Die Stimmung ist einfach wahnsinnig relaxed und man kann sowohl in Pools und Hängematten entspannen, als auch diverse Restaurants ausprobieren. Wir haben uns in einem coolen Hostel am Ende der Oase niedergelassen, sehr lecker gegessen und einfach die Atmosphäre genossen, bis es an der Zeit war, zurück zu unserer Unterkunft und final zum Terminal von Cruz del Sur aufzubrechen.

Das Terminal war wieder sehr gut organisiert und als Ticketinhaber des Nachtbusses nach Cusco hatten wir sogar einen Platz in der VIP-Wartehalle. So ließ sich auch die knapp einstündige Verspätung der Ankunft des Busses ertragen. Für uns stand ein strapaziöser Ritt an, zunächst waren 15 Stunden Fahrt mit Cruz del Sur zu überbrücken, in Cusco galt es dann, ein Taxi zu nehmen, das uns zu einem Kleintransporter brachte, welcher uns zu unserem nächsten Stopp, Ollantaytambo, bringen sollte. Konnte das alles gut gehen? Und würde der Rücken mitspielen?


Für mich war die Busfahrt anstrengend, weil es mir schwer fiel, auf den Sitzen zu schlafen. Trotz Liegeposition starrte ich die meiste Zeit auf mein iPad und las einige Readly-Zeitschriften oder schaute Prime-Serien. Dann und wann fiel mein Blick aus dem Fenster, aber da es stockdunkel war, konnte ich nichts erkennen. So sagte mir lediglich das beständige Schaukeln, dass wir uns inzwischen auf den berüchtigten Bergstraßen befinden mussten. Erst nach Anbruch des neuen Tages wurde es interessanter, Szenerien der durchfahrenden Dörfer, Schulkinder auf dem Weg zum Unterricht, unzählige mit Spraydosen auf Mauern gesprühte Wahlslogans – man bekam einen Einblick in das ländlichere Peru, spannend, aber auch etwas abschreckend. Eine andere Welt.

Währenddessen fuhr der Bus unbeirrt weiter und schien auch von den Einheimischen draußen kaum wahrgenommen zu werden. Das alltägliche Bild in ihrem jeweilige Dorf, weder Dreck, noch Lärm schien sie auch nur im Geringsten von ihrem Tagewerk abzuhalten. Im Gegenteil, sie schienen miteinander verwachsen, seit Generationen verbunden und irgendwie voneinander abhängig. So muss es bei uns auch mal gewesen sein, vor dem Siegeszug des eigenen Autos.


Das vom Steward servierte Frühstück läutete die Ankunft in Cusco ein und ließ uns in gespannter Erwartung eines ersten Blicks auf die angeblich schönste Stadt Perus werfen. Dieser war allerdings ernüchternd, war doch jeder Fleck, den wir sahen, zugebaut. Wird sich dieses Bild verbessern? Wir werden sehen.


Keep on rockin‘

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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