Los Angeles

Heimat von Engeln & Träumern

Daniel Schröer

Los Angeles. Was trägt diese Stadt nicht alles für Bezeichnungen. Stadt der Engel, La La Land, Traumfabrik. Dem galt es, auf die Spur zu gehen. Zuvor wollte aber die Unterkunft in Sherman Oaks bezogen werden, erneut ein Motel, da die Übernachtungen in zentraler Lage von Los Angeles ein ordentliches Loch in die Reisekasse zu reißen verstehen. Um so größer die Überraschung, dass die Unterkunft der kommenden Nächte nicht nur sehr sauber, sondern auch noch geräumig und top ausgestattet erschien. So gab es auf dem Gelände zwei saubere Pools, dazu war auch noch ein Standardfrühstück in der typisch amerikanischen Kette Denny’s, welche eine Filiale im Haus der Rezeption betrieb, enthalten. Der perfekte Ausgangspunkt, um die Stadt mit dem Auto erkunden und zwischendurch sogar für eine Pause wieder zurückkehren zu können.

Da wir vorab bereits eine Tour gebucht hatten, starteten wir mit dem Besuch in den Warner Bros. Filmstudios. Für viele eine obligatorische Besichtigung, hatten wir uns am Vortag erst recht spontan entschieden, den von GoCity angebotenen Los Angeles Explorer Pass für fünf frei wählbare Attraktionen zu erwerben. Man zahlt einmalig einen (recht hoch erscheinenden Betrag) und versucht ihn dann bestmöglich auszunutzen, um am Ende ordentlich gespart zu haben. Deshalb also der Start mit der Warner Bros. Tour. 


Nach einem Foto mit den riesigen Bronzestatuen von Bugs Bunny und Daffy Duck ging es auch schon hinein in die Empfangshalle, in welcher schon die ersten Devotionalien bewundert werden konnten. Die Tour selbst startete mit einer kurzen Einführung der Geschichte des Studios, dann ging es mit Elektrofahrzeugen auf das Außengelände und zu den Sets diverser Serien und Filme. Besonderes Augenmerk lag auf den üblichen amerikanischen Verdächtigen, insbesondere Friends ist natürlich allgegenwärtig. Etwas enttäuschend waren die extrem hohen Preise für die Souvenirfotos, welche man im Innenbereich mit diversen Originalrequisiten schießen lassen konnte (Batmans Motorrad, das Central Perk von Friends, das Wohnzimmer von Big Bang Theory…). Hier bietet es sich an, heimlich ein paar Bilder mit dem Handy zu schießen, bevor das Personal aufmerksam wird - bei uns war es glücklicherweise leer genug, so dass wir die ein- oder andere Erinnerung festhalten konnten, bevor uns mitgeteilt wurde, das Privatfotos verboten seien. Final war es aber eine schöne Tour, die sich mit der GoCity-Card auch finanziell gelohnt hat und schöne Erinnerungen birgt.

Wir hatten im Anschluss noch etwas Tageslicht und entschieden, der Promenade von Venice Beach einen Besuch abzustatten. Diese Mixtur aus Coolness der Basketballer, Skater und Bodybuilder, sowie Elend der unzähligen Obdachlosen auf den Rasenflächen entlang der Promenade ist nicht jedermanns Sache. Gerade Mädels werden von dieser Szenerie oft eher abgeschreckt und können den schrägen Reliquien der Souvenirshops ebenso wenig abgewinnen, wie die latent in der Luft liegende Gefahr durch oftmals geistig verwirrte Straßenbewohner. Wir hielten uns eine Weile bei den wirklich beeindruckend guten Skateboardern auf und gönnten uns bei Sonnenuntergang eine kleinen Stärkung in einem Bistro mit Blick auf Promenade und Meer. 


Von oben, aus der ersten Etage, wirkte alles sehr friedlich und von der Natur geküsst. Als wir das Bistro jedoch wieder verließen, hatte sich die Stimmung endgültig gewandelt. Die Dämmerung ließ jegliche Coolness verschwinden und hinterließ nichts als Elend und Geschrei. Obdachlose stritten um den besten Schlafplatz, Menschen mit ihrem Hab und Gut auf dem Bollerwagen stellten sich Passanten in den Weg und andere gingen augenscheinlich ihrer Drogensucht nach. Es ist ein trauriges Bild und offenbart die Probleme, die dieses so hoch entwickelte Land immer noch hat. Wir suchten im letzten Licht des Tages das Weite und sahen zu, dass wir zum Auto kamen. Mit offenem Fenster brausten wir über die Tag und Nacht sehr gut gefüllten Straßen, genossen die leichte Brise und versuchten, die Eindrücke dieses Tages zu verarbeiten. Erstaunlich, erschreckend, wie nah Luxus und Elend in dieser Stadt beieinander liegen, quasi koexistieren.


Eine Hop on, Hop off-Tour gehört natürlich auch zu den empfehlenswerten Aktivitäten einer so großen Stadt und da die Teilnahme ebenfalls in unserem GoCity-Pass enthalten war, nutzten wir diese Möglichkeit ausgiebig aus. Wir entschieden uns zunächst für eine volle Runde, um alle Viertel einmal entspannt abzufahren und uns mittels Live-Informationen des Guides einen guten Überblick lohnenswerter Ausstiege zu verschaffen. Schon die reine Rundtour ist echt zu empfehlen, da das Oberdeck ganz andere Perspektiven auf die jeweiligen Hotspots ermöglicht und wir so sogar einen kurzen Blick in das Fenster der Comedy School werfen konnten, deren Absolventin schon Friends-Darstellerin Lisa Kudrow war. In Beverly Hills gab es Tipps zu Besichtigungen der Villen und die Wandverzierungen im Künstlerviertel Melrose wirkten greifbar nah, so dass wir uns auf der zweiten Runde genau dort für ein erstes Aussteigen entschieden.


Melrose ist so etwas wie der alternative Ort der Kunst- und Designszene, im Prinzip reiht sich trendiger Store an Wandbild an Restaurant, was der ganzen Gegend einen sehr jungen Touch verleiht. Mir hatte es, noch vor seinem tragischen Tod, das Bild von Kobe Bryant angetan, das ich unten auch hinterlegt habe. Zusätzlich war ich generell fasziniert von der Streetart um uns herum und die typischen Bilder des Instagram-Phänomens der Engelsflügel durften ebenfalls nicht fehlen. Nach dem Besuch einiger Designerstores, deren Preisgestaltung unser Budget deutlich überstiegen, setzten wir unseren Fußweg zum benachbarten Farmers Market fort. 


Während man auf der Einkaufsstraße die typischen Filialen der globalen Ketten vorfindet und in den umliegenden Restaurants recht hohe Preise zu zahlen hat, wähnt man sich im Marktbereich  in einer anderen Welt. Streetfoodstände so weit das Auge reicht, gemischte Sitzplätze und ein Flair, das wir in den Staaten bis dato so nicht wahrgenommen hatten. Hier blieben wir zum Essen, mischten uns unter die Leute und fühlten uns direkt als Teil des Ganzen.

Später stiegen wir wieder in den Bus ein und ließen uns zur Endstation, dem Hollywood Boulevard mit dem berühmten Walk of Fame bringen. Vom Glück geküsst, sprach uns dort eine Mitarbeiterin der Bustouren an, dass wir mangels Besuchern die Hollywood Stars Tour gratis absolvieren könnten, da der Bus sonst leer durch die Straßen düsen müsste. Wir waren zunächst sehr skeptisch, denn ausgerechnet in Los Angeles so eine Tour geschenkt zu bekommen klingt doch sehr verdächtig, gaben uns dann aber einen Ruck und wurden nicht bestraft. Als einzige Gäste eines großen Cabrio-Transporters spendierte uns unser Fahrer eine Privatführung zu den Häusern der größten Prominenten wie Quentin Tarantino, fuhr uns zu Aussichtspunkten auf Hollywood-Sign und Universal Studios und erzählte uns unzählige Geschichten zu den diversen Immobilien. Der reine Wahnsinn, den wir im Anschluss erstmal mit einem Burger der in Kalifornien gehypten Kette In ‘n‘ Out Burger feiern mussten. Was für ein Tag, Los Angeles hieß uns wahrlich Willkommen.


Auch in den folgenden Tagen hatten wir Gelegenheit, weitere Abenteuer zu erleben. Die GoCity-Card ermöglichte uns die Malibu-Tour, die wir in der Hoffnung unternahmen, chilliges Strandfeeling mit ein wenig Promi-Spotting zu verbinden. Dabei hatten wir allerdings weniger Glück, denn das kleine Fahrzeug war derart vollgestopft, dass wir kaum etwas sehen konnten, zudem zeigten sich weder Promis, noch durfte man den Strand genießen. Etwas schade, aber es kann ja nicht alles perfekt klappen.


Ganz anders unser Ausflug ins herausragende Griffith Observatory, hoch oben in den Hollywood Hills, mit genialem Blick auf den weltberühmten Schriftzug, einer fantastischen kostenlosen Astronomie-Ausstellung und einer fantastischen Planetariumsshow für kleines Geld. Uns wurde die Lights of the Valkyrie-Show dargeboten, die insbesondere als Europäer spannend war, drehte sie sich doch um die nordischen Mythen unserer skandinavischen Nachbarn und der passenden Musik von Richard Wagner. Diese Vorstellung zog uns völlig in den Bann und bildete den Auftakt der nächtlichen Beobachtung der Los Angeles-Skyline. Ein mystischer Abend, schon wieder ein erfüllender Tag. 

Bevor wir die Stadt der Engel letztendlich verlassen mussten, nutzten wir den GoCity-Pass noch ordentlich aus. Zuerst mit einer in Long Beach startenden Bootstour, von welcher wir nicht nur die Queen Mary im Hafen liegen, sondern auch eine Familie Delphine vor uns her schwimmen sahen. Die Kids auf dem Boot flippten förmlich aus und auch die Erwachsenen drängten sich an die Reling, um dieses Naturschauspiel aus nächster Nähe zu bewundern. Wale waren uns auf diesem Ausflug zwar nicht vergönnt, aber es ist immer wieder faszinierend, anmutige Tiere in ihrem natürlichen Lebensumfeld anschauen zu dürfen. Nei einem Applebees-Abendessen konnten wir dieses Erlebnis intensiv rekapitulieren, bevor wir im Anschluss erneut unser Glück am Walk of Fame versuchten. Wir konnten eine Menge Sterne uns bekannter Stars und sehr viele von nie gehörten Prominenten begutachten, bei Muhammad Alis speziellem Stern an der Wand ein Foto schießen und als letzte Aktivität Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett besuchen. Da es mein erster Besuch in einer von Madame´s Einrichtungen war, fand ich es besonders lustig, sich mit den vielen Stars abzulichten und Quentin Tarantino den Marsch zu blasen, sowie Rocky ko zu schlagen.


So kehrten wir mit vielen neuen Erinnerungen in das Motel zurück und bereiteten uns vor der letzten Nacht auf die nächsten Tage vor. Auch wenn ich eher der superspontane Typ bin, ist etwas Planung ab und an hilfreich - insbesondere, wenn man nicht alleine reist. Nach einer ruhigen Nacht und einem letzten Frühstück bei Denny‘s warfen wir einen wehmütigen, aber erfüllten Blick zurück, sagten Los Angeles ‚Goodbye‘ und machten uns auf zum nächsten Abenteuer in …San Diego


Keep on rockin‘

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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