Peru

Inka im heiligen Tal

Daniel Schröer

Das heilige Tal. Oder zumindest ein Ausschnitt davon, ein beeindruckender Einblick in die Lebensweise dieser alten Kultur, das ist es, was man in Ollantaytambo findet. Aufgrund kurzfristiger Planungen war unsere Machu Picchu Zugfahrt nur in einem sehr engen Zeitfenster verfügbar, weshalb keine Zeit blieb, dieses in sämtlichen Reiseführern so blumig beschriebene Tal in Gänze zu erkunden. Da sich Ollantaytambo aber neben Cusco als Ausgangsbahnhof für die Erkundung des Weltwunders anbietet, war uns zumindest hier ein erster Schritt in die Welt der Inka möglich. Nach einer kalten Nacht trafen wir mit leichter Verspätung beim Frühstück ein, welches uns dennoch vom Hotelpersonal problemlos frisch zubereitet wurde. Auch wenn das Rührei etwas fad daher kam, war die Auswahl für die bisherige Reise vielfältig: Es gab Obst, Brötchen, Wurst und Käse, dazu diverse Heißgetränke und sogar den berühmt-berüchtigten Coca-Tee. Vielleicht hätten wir letzteren mal probieren sollen, aber irgendwie trauten wir uns nicht recht da heran.

So traten wir im Anschluss an das ausreichende Mahl auf die Straße und bekamen einen Einblick in Ollantaytambos Streetlife. Händler, die ihre tapeziertischähnlichen Marktstände präparierten, Hunde, die auf der Suche nach Zärtlichkeit und Streit umher stromern, Hühner auf Nahrungssuche – wuseliges Treiben allerorten, alles gerahmt von der Inka-Stätte, die wir zu besichtigen suchten. Die Empfehlung, sie möglichst früh zu besuchen, war tatsächlich Gold wert. Gerade zu Beginn hatten wir dieses archäologische Highlight fast für uns alleine und konnten so in aller Ruhe die riesigen Steintreppen erklimmen und mit jedem weiteren Schritt um Luft ringend die Aussicht auf das Dorf genießen. Als untrainierte Europäer stoppten wir häufig und ließen diesen mystischen Ort auf uns wirken. Wie erst würde uns Machu Picchu einnehmen, wenn es schon in Ollantaytambo so großartig wirkte. Kurz schlossen wir uns einer Reisegruppe an und erfuhren ein paar Insights zur Ausrichtung verschiedener Bauwerke hinsichtlich militärischer oder religiöser Nutzung, setzten unseren Weg aber rasch wieder alleine fort, um diesen Ort in Ruhe auf uns wirken zu lassen.


Sportstätten, alte und moderne, kamen genauso in Sicht wie die Bahnlinie, schneebedeckte Berge im Hintergrund und ein paar Alpakas, die sich unten auf der zentralen Wiese die Zeit vertrieben. Leider war uns das Glück aber nicht durchweg hold, hatten wir doch schon seit einigen Tagen mit Magenbeschwerden zu kämpfen und wurden nun auch noch mit einem stark geschwollenen Fuß konfrontiert – umknicken auf den sehr unebenen Wegen der Ruine war eine stets realistische Gefahr, aber das hätte nicht heißen müssen, dass es auf jeden Fall zu passieren hat. Naja, shit happens, so dass der Rest der Erkundung nochmals deutlich langsamer und quasi dreibeinig fortzusetzen war. Zum Glück gelang uns der Abstieg über eine weitere halsbrecherische Treppe unterhalb einer alten Inka-Behausung mit Strohdach ohne weitere Schäden und an den kunstvoll angelegten Wasserläufen belohnten tolle und vor allem ungestellte Fotos mit den Alpakas für die stundenlangen Mühen. Kurz konnte sogar die Sorge vertrieben werden, ob diese Fußverletzung nun auch das eigentliche Highlight der Peru-Reise gefährdet.

Wir belohnten uns nach Verlassen der Ruine und ersten Heilungsmaßnahmen des Fußes (Voltaren und ein enger Verband) mit einem wahrlich großartigen Essen – im Uchucuta-Restaurant wurden uns kunstvolle angerichtete Speisen kredenzt, die mit Hilfe der Weinbegleitung nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Höhenauswirkungen besser ertragen ließen. Hier, zumal als einzige Gäste, da es für peruanische Verhältnisse ein zu frühes Mittagessen war, fühlten wir uns unbeschwerter als andernorts. Dennoch kamen erstmals ernsthaftere Gedanken auf, wie lange wir wohl noch durch dieses Land würden reisen wollen, wenn das emotionale Highlight nur noch ein paar Tage entfernt ist und zu viele Lows Begleiter der bisherigen Tage waren. Wir sprachen in Ruhe darüber, vertagten entsprechende Entscheidungen allerdings erstmal wieder.


Nach einer Pause im Zimmer wollten wir unbedingt noch das Choco Museo in nächster Nähe besuchen, sollte es dort doch eine unbeschreibliche Vielfalt an frischen Kakao-Produkten geben. Wir wurden nicht enttäuscht, vielmehr sogar weiter belohnt. Nicht nur, dass die angebotenen Speisen und Getränke wirklich köstlich waren, nein, ein strubbeliger Hund schlich sich auch noch unter unseren Tisch und ließ sich die gesamte Zeit unseres Besuchs genüsslich kraulen. Immer wieder drückte er sich an unsere Beine und so übertrugen wir gegenseitig positive moods und sorgten für ein Gleichgewicht in unserem gemeinsamen Mini-Universum. Eine schöne Erfahrung, von der wir noch Tage später schwärmten. Auch bei der anschließenden Besichtigung des kleinen Choco-Museums blieb der Wuffi an unserer Seite und ließ uns erst draußen wieder ziehen, als er seine tierischen Freunde besuchte, während wir noch über den zentralen Markt von Ollantaytambo humpelten.


Dort wurde eine für Peru typische Holzkrippe mit südamerikanischen Szenerien erstanden, zudem mit einigen Inhabern gesprochen und, Überraschung, problemlos mit Euro-Banknoten gezahlt. Die Sprache des Geldes, insbesondere einer so starken Währung, wird wohl tatsächlich weltweit verstanden. Rückgeld gab es natürlich in Sol, aber da wir noch etwas im Land unterwegs waren, kam uns das ganz gelegen. Für diese Gegend normal, zogen recht rasch Wolken auf, verdeckten die Sonne, sorgten somit für einschleichende Kälte und vertrieb uns so am frühen Abend auf unser Zimmer. Allerdings waren wir nicht undankbar, brauchte der Fuß doch sowieso Ruhe und hatten wir noch ein paar Serienfolgen auf dem iPad gespeichert. So schlossen wir auch diesen Tag mit einem guten Gefühl, trotz der verschiedenen über den Tag verteilten Widrigkeiten. Das Positive überwog schließlich.


Keep on rockin’

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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