Luang Prabang

Ein meditatives Erlebnis

Daniel Schröer

Leise plätschert der Nam Khan an mir vorbei, bahnt sich seinen Weg durch das Flussbett und bildet gemeinsam mit dem mächtigen Mekong den bildschönen Rahmen, der den ganz besonderen Reiz der auf einer Halbinsel liegenden Tempelstadt Luang Prabang ausmacht. Die für viele schönste Stadt von ganz Laos liegt ziemlich weit nördlich, eingebettet in wundervolle Natur und mit spannenden Ausflugszielen rund herum. Ein erstes Abenteuer durfte ich direkt in den ersten paar Minuten nach Ankunft und Bezug der Unterkunft erleben, lag diese doch etwas außerhalb der Kernstadt. Um diese zu erreichen, musste ich eine sehr baufällig wirkende Brücke überqueren. Lediglich Fußgänger und Rollerfahrer durften sie überqueren, jeder Schritt war eine neue Überwindung und zwischen den einzelnen Streben war deutlich der Abgrund mit dem Wasser am Boden zu erkennen. Adrenalin pur.

Da aber die schönsten Geschichten hinter der Angst liegen und die Brücke nicht nachgegeben hat, kann ich euch heute entspannt davon berichten. Jeder Schritt, der mich näher in das Zentrum von Luang Prabang führte, machte deutlich, warum so viele Menschen von diesem Teil des Landes so fasziniert sind. Ist Laos per se schon eine spirituelle Erfahrung, sowie eine Lektion in Menschlichkeit, so scheint diese Stadt dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen. Egal, wohin man schaut, überall wirkt es ehrfürchtig, bedeutsam und doch meditativ. Die Menschen gehen genauso ihrem Tagewerk nach, wie überall sonst auf der Welt auch. Nur erledigen sie es hier im Wissen, an einem besonderen Ort zu verweilen und irgendwie überträgt sich diese innere Haltung der Laoten auf die Seele des Reisenden. Man entschleunigt, ohne es wirklich zu beeinflussen oder gar bewusst wahrzunehmen.


Seien es die überall durch die Vegetation schimmernden Tempelanlagen, welche mit ihren goldenen, im östlichen Stil verzierten Dächern Kunstwerke für sich sind, die allgegenwärtigen Novizen und Mönche in ihren orangenen Gewändern oder auch die so traditionellen Klänge aus den unterschiedlichsten Straßenständen, Shops und Restaurants. Alles atmet Tiefenentspannung und lädt jeden Gast ein, Teil des Ganzen zu werden. Niemand stört das Bild, keine betrunkenen Rucksacktouristen sind zu entdecken, die in Vang Vieng durchaus zur Tagesordnung gehörten. Als würde eine unsichtbare Macht selbst unstete Gesellen in sich ruhen lassen.

In Luang Prabang lohnt es sich wirklich, lange Wege in Kauf zu nehmen, Straßenkarten oder Google Maps beiseite zu lassen und auch mal Umwege zu akzeptieren. Gerade abseits der regulären Pfade öffnen sich immer wieder unverhoffte Entdeckungen, wie die in den Berg gearbeitete Tempelanlage, durch die ein öffentlicher Weg führt. So schreitet man mitten durch das alltägliche Leben der Bewohner, die ihrer Arbeiten, Meditationen oder auch Freizeitgestaltung nachgehen. Oben angekommen, öffnet sich dann ein atemberaubender Bild der gesamten Stadt, mit beiden sie umrahmenden Flüssen und der Bergwelt auf einen Blick.


An anderer Stelle befindet sich mitten in einer Wohngegend ein kleines Café in einer Erdgeschosswohnung, auf den ersten Blick kaum als solches zu erkennen. Tee und Kekse, dazu wiederholt die Musik dieses Teils der Welt. Es ist ein Geschenk. Drüben gluckert der Mekong, auf welchem sich Fischer und altertümliche Kreuzfahrtschiffe tummeln und das Licht der Abendsonne seine Macht glitzernd unterstreicht. Dieser Fluss ist der wahre Star Südostasiens und eine der Lebensadern von Laos, dem einzigen Land der Region, das nicht über einen Meereszugang verfügt.


Wenn die Nacht einbricht, die letzte Hektik des normalen Tages und der Straßenlärm, wie in jeder großen Stadt auf der Welt, abnehmen, entsteht ein neuer Zauber auf den Verkehrswegen von Luang Prabang. Märkte werden nach und nach aufgebaut, auf der Hauptstraße verkaufen Händler selbst kreiertes Kunsthandwerk und freuen sich über jeden interessierten Besucher. Ich erstand mehrere Lampen aus dünnem Pergament, faltbar und so ideal als Geschenk geeignet.

Fast war mir peinlich, wie günstig diese handgearbeiteten Teile zu haben waren, aber nachdem ich bereits in einem offiziellen Sportgeschäft das Originaltrikot der Deutschen Fußballnationalmann-schaft mit WM-Sieg-Logo für 13€ erworben hatte (es wurde in Laos gefertigt, daher der Wahnsinnspreis - ich habe es in Deutschland bei Adidas auf Echtheit prüfen lassen), akzeptierte ich, dass dies für Laos normale Preise waren. Also her mit den Lampen und weiter ging es - vorbei an wahnsinnig tollen Zeichnungen (auch davon erwarb ich zwei), holzgeschnitzten Kerzenhaltern (drei) und weiteren schönen Mitbringsel.


Um die nächste Ecke wurde es dann noch besser, was meine Nase natürlich längst wahrgenommen und mein Magen mit ordentlich Krawall kommentiert hatte. Der Nachtmarkt, Streetfood so weit das Auge reichte. In allen umliegenden Gassen. Einfach überall. Gebratenes Fleisch an Spießen oder solo, mit Reis und Gemüse, auch vegetarisch natürlich. Mango- und Papayasäfte. Leckere Süßigkeiten, die ich nicht weiter identifizieren konnte. Zu viel, um alles zu probieren, obwohl die Gier sich fast durchgesetzt hätte. Wahrlich, dieser Nachtmarkt schlägt jeden anderen Foodcourt, den ich bislang gesehen habe, um Längen. Thailand, Bangkok? Kann dagegen einpacken. Aber das würde den Laoten nicht gerecht, es ist kein Wettstreit. Sie sind fantastisch, aber dass sind sie für sich, nicht gegen andere. Buddhismus pur und ein Grund, warum ich immer wieder herkommen würde. Tut es mir gleich. Ich erzähle euch auch noch über die Ausflüge in die nähere Umgebung, zum Wasserfall oder dem Bear Rescue Center. Sobald ich fertig bin, kommt der Link. Versprochen!


Keep on rockin’
Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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