Death Valley

Fasziniert vom Tal des Todes

Daniel Schröer

18 Tage. So lange dauerte die Reise bereits, bis es erstmals mit einem gemieteten Auto on the road ging. Ok, da eigentlich ein reiner Südamerikatrip geplant war, stand Auto fahren sowieso nicht auf dem Plan. Aber nun, im Westen der USA, dem Autofahrerland schlechthin, war es ein erhebendes Gefühl, die unendliche Weite dieser Gegend in den eigenen vier rollenden Wänden befahren zu dürfen. Freiheit stellte sich ein, die Abhängigkeit von Fahrplänen war dahin und fünf weitere nur sehr rudimentär geplante Wochen lagen vor uns. Das gab Sicherheit, das fühlte sich richtig an und die staubigen Straßen bestätigten die Entscheidung für diesen Roadtrip ein weiteres Mal. 

Nach dem sehr entspannten Auschecken aus dem Oyo Hotel & Casino in Las Vegas ging es gegen 11 Uhr aus der Stadt heraus, hinauf auf den Highway, ab in Richtung Death Valley National Park. Die Stadt verabschiedete uns staubig, am Tag verzieht sich der Glamour etwas, faszinierend bleibt sie dennoch. Das einsame Amerika, die endlose Straße mit flimmerndem Asphalt und am Horizont aufragenden Bergen, wies den Weg als eine Art surreal große Filmkulisse. Der Himmel bildete mitsamt seiner Wolken ein famoses Kunstwerk und wir begannen zu verstehen, wie sich Freiheit durch Weite tatsächlich anfühlt. 


Der Death Valley National Park, Heimat des amerikanischen Ureinwohnervolks der „Timbisha Shoshone“, empfing uns entsprechend rau und farbenfroh, mit dem obligatorischen Eingangsschild und Gestein, das in den unterschiedlichsten Farben leuchtete. Erdgeschichte zum Anfassen. Durch seine Konstitution ist es kein Park, der erwandert wird, man verbringt viel Zeit im Auto. Dennoch ist es auch für den Fahrer ein Erlebnis, das Tempo ist gemächlich und es gibt jede Menge Haltestopps. Am Zabriskie Point, den man sich sich vom Parkplatz aus einige Meter entlang einer Asphaltstrecke steil bergauf erarbeiten muss, erhält man einen einzigartigen Ausblick auf die unterschiedlichsten Gesteinsformationen des Tals. Ein, wenn nicht der, Top-Spot für tolle Fotos im Death Valley.

Weiter ging es über den Artist’s Drive, welcher prall gefüllt mit von der Natur gemalter Gemälde ist, zum Badwater Basin, dem tiefsten und heißesten Punkt von Nordamerika. Der Hals trocknet schon nach wenigen Schritten aus und die verkrustete Salzoberfläche gibt einen Eindruck davon, was dem eigenen Körper bei einem längeren Spaziergang ohne Wasser bevorstünde. Verbunden mit der nur durch das ein oder andere Auto gestörten Ruhe ist es hier einfach beeindruckend – insbesondere nach kleinen Abstechern über die nicht mehr asphaltierten Seitenstraßen ist man plötzlich völlig für sich, hört absolut nichts und sollte lediglich auf hier beheimatete Klapperschlangen achten.


Allgemein gehört ein Ausflug zum Aussichtspunkt Dante’s View noch auf den Plan einer Death Valley-Tour, da die Aussicht von dort oben überwältigend sein soll. Wir hatten jedoch schon einige Zeit an den anderen Spots verbracht und noch einen langen Weg vor uns, weshalb der gut 75minütige Abstecher auf diesem Trip ausfallen musste. Allerdings bereuten wir dies keineswegs, denn in der schönsten Abenddämmerung konnten wir uns so eine ganze Zeit lang auf einem trockenen Flussbett zu bewegen, umschlossen von Bergen und bei ordentlichem Wind, der daraus ein fantastisches Abenteuer werden ließ. 


Wir inspizierten die Oberfläche, fotografierten viele skurrile Objekte und trafen sogar auf einen Spaziergänger, der die wandernden Steine suchte; wir hatten von denen noch nichts gehört, aber später nachgelesen, dass es wohl unerklärliche Bewegungen in diesem Park gibt – Aliens? ;-)

Man fühlte sich wahrhaftig angekommen, auf der Straße, in der Weite, alles war frei und sicher. Ein unglaubliches Gefühl, waren wir doch zuvor abends so oft wie gerädert und hatten nur wenig von den Erlebnissen des Tages geschwärmt – von einigen Ausnahmen wie Machu Picchu und Huacachina mal abgesehen. Hier aber, in der nahezu unberührten Natur, konnten wir uns gehen lassen und das Erlebte anschließend auf uns wirken lassen. Genial.


Der weitere Weg zeigte uns einmal mehr, wie wichtig Licht für die Energie ist, denn als plötzlich tiefe Dunkelheit über uns einbrach (was im Death Valley rasend schnell geschieht), wurde jegliche Abenteuerlust vom Wunsch nach einem kuscheligen Bett verdrängt. Leider lagen noch gut zwei Stunden Fahrt vor uns, wollten wir doch schon in die Nähe des Yosemite Nationalparks kommen, der am Folgetag unser Ziel sein sollte. Nach einer gefühlt endlosen Fahrt durch absolute Dunkelheit passierten wir schlussendlich ein einsames Dorf, in welchem ein kleines Motel noch ein für die einfachen Verhältnisse überteuertes Zimmer bereit hielt. Das war uns nach den vielen Eindrücken aber egal, denn es gab ein Bett, einen Kühlschrank, warmes Wasser und sogar einen Fernseher – Herz, was begehrst Du nach so einem Tag mehr?


Keep on rockin‘

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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