Peru

Das Abenteuer der Fernbusse I

Daniel Schröer

Am Busbahnhof von Cruz del Sur läuft es gesittet ab, eine gut geölte Maschine in einem Land, in dem die meisten Menschen auf Fernbusse angewiesen sind, wenn sie andere Teile ihrer Heimat erreichen möchten. Der Ticketkauf funktioniert problemlos online, das Ticket auf dem Handy ist Standard und der Check-In des Gepäck läuft deutlich entspannter ab, als an europäischen Flughäfen. 


Die Wartehalle ist groß genug, Souvenir-, Snack- und Zeitungsstände bieten die notwendigen Waren feil, um die Reise kurzweiliger zu gestalten vor den hohen Glasfenstern ist stete Bewegung. Als unser Bus an der Reihe ist, erfolgt noch eine kurze Sicherheitskontrolle des Handgepäcks, ebenfalls fix, und dann geht es schon hinein und auf den leidlich bequemen Sitz.

Im Bus selbst gibt es neben WLAN sogar Catering und ein Entertainment System, allerdings auf Spanisch mit englischen Untertiteln, daher empfehle ich dennoch ein Tablet mit eigenen Büchern, Filmen und Serien, vielleicht sogar Spielen, mitzunehmen. Was in Deutschland mit Flixbus und Co erst so langsam Fahrt aufnimmt, ist in Peru auf jeden Fall längst Standard. So stört sich auch niemand daran, dass der ältere Herr im vorderen Bereich des Busses zu Beginn ununterbrochen nach der Stewardess verlangt, um etwas zu trinken zu bekommen. Man nimmt, gerade in überschaubaren Verhältnissen lebend, was man kriegen kann und entschlummert dann selig, um den Alltag in sanftem Geschaukel etwas vergessen zu lassen. Es gibt sicherlich schlechtere Wege, in die Wüstenstadt Ica zu kommen.


Während der ältere Peruaner somit schlafend die Landschaft ignoriert, bin ich irgendwie fasziniert von diesen anderen Bildern, dem Staub der hinter der Straße liegenden Wüste, vom verlassenen Pazifik und den immer gleichen, herunter gekommenen Bretterbuden am Straßenrand, die mich schmerzhaft daran erinnern, in einem doch ziemlich armen Land unterwegs zu sein. Lima, das mich stark an Jakarta erinnerte, bot zum Auftakt schon Einblicke in die großen Unterschiede im Land, vom Aston Martin Händler in Miraflores zu den einfachen Sonntagsbeschäftigungen der Familien in der Nähe des Präsidentenpalasts, unmittelbar neben den Güterbahnschienen. Aber hier draußen wird nochmal deutlicher, warum Lima, das sowieso schon mit zu wenig Platz für zu viele Menschen zu kämpfen hat, beständig wächst und inzwischen gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung Perus beherbergt. Es gibt entlang der Panamericana einfach nichts außer Staub und den endlosen Ozean.

Dennoch läuft vieles erstaunlich gut. Egal, ob die Straße nur zweispurig ist, es passen locker fünf Autos nebeneinander. Die Hupe hilft, wo der Blinker erst gar nicht betätigt wird. Und auch rote Ampeln sind eher freundliche Empfehlungen, als definitive Anweisungen. Stört keinen, die Polizei macht ja sowieso mit und stellt pro forma an jeder Ecke Personal mit Trillerpfeifen auf, um wenigstens etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Ein Bild, das uns auch in den folgenden Tagen begleiten wird.


Vier Stunden nach Antritt der Busfahrt machte sich dann erstmal wieder Ernüchterung bemerkbar. Ica enttäuschte auf den ersten Blick, weil es zu sehr den dreckigen Ecken von Lima gleicht und man anderes erwartet hat. Hier sollte doch die Oase sein, schmuckvoll und besonders, wie in 1000 und einer Nacht. Davon war aber nichts zu sehen. Glücklicherweise war der Shuttlefahrer unseres AirBnb leidlich pünktlich, so konnten wir uns etwas Fahrtwind um die Nase wehen lassen und die Enttäuschung des so wenig ansprechenden Stadtbilds auf uns wirken lassen. 

Glücklicherweise konnte die Unterkunft, das Hostel Ica Adventure 2, einige Punkte gutmachen. Sehr freundliches Personal und die dekadente, dennoch für unsere Verhältnisse arg günstige 8-Personen-Suite hießen uns Willkommen, darüber hinaus war das Abendessen ausgesprochen gut. Hier probierten wir nun auch erstmals den Pisco Sour, Perus alkoholisches Nationalgetränk, welches seinem Namen alle Ehre machte, aber dennoch ganz passabel schmeckt. 


Als wir den Blick durch den Aufenthalts- und Barbereich schweifen ließen, wurde uns allerdings bewusst, dass wir nicht zur aktuellen Backpackergeneration gehören und beim nächsten Mal stärker auf die Auszeichnung als Party Location zu achten - um diese dann eher zu meiden. Doch für einige Tage ist es natürlich auszuhalten und teilweise sogar lustig anzusehen. Obwohl (oder gerade weil) sich das junge Gemüse im Verlauf des Abends zu einer stetig lauter werdenden Masse formierte, ging es für uns früh ins Bett - wir ließen uns im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf herumtanzen, lag die Bar doch direkt über der Suite. Doch die Busfahrt war dermaßen anstrengend, dass uns auch dieser Fakt den Schlaf nicht verleiden konnte. Glück gehabt.


Keep on rockin‘

Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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