Joshua Tree

Im Feld der krummen Bäume

Daniel Schröer

Ob ein Nationalpark generell ein Naturerlebnis und erfüllend ist, entscheidet häufig nicht nur der Ort an sich, sondern auch die persönliche Tagesform. Nach sehr vielfältigen Vortagen und einer unterschwelligen Müdigkeit war schon die Anreise zum Visitor Center des Joshua Tree Nationalpark etwas zäh. Es ging im Anschluss an San Diego durch relativ gleichbleibende Landschaften und Kleinstädte hindurch und am Wegesrand lag wenig bemerkenswertes bereit.


Im Besucherzentrum selbst, konnte ich zwar meine üblichen Sammelgegenstände erstehen, jedoch war es überraschend voll und, ich muss es leider so schreiben, etwas zu deutsch. Nicht dass ich ein Problem damit hätte, Landsleuten auf meinem Weg zu begegnen, sie müssen ja auch mich ertragen.

Nein, es ist eher der hoffentlich kleine Teil jener nervenden („Mama, darf ich das haben? Biiiitteeee! Warum denn nicht?“...“), quengelnden („Ihr seid so doof, ich bin müde, Natur ist sch...“...), besserwisserischen („Nein, ich erkläre dem Ranger jetzt, dass das hier so nicht geht...“) und ewig nörgelnden („Hier ist ein Rechtschreibfehler auf dem Schild...“) Deutschen, die sämtliche negativen Stereotype bedienen und so dafür sorgen, dass ich mich eher als Weltbürger, denn als Germane wahrnehme. Vielleicht war ich an diesem Tag aber auch generell etwas gereizter, was mich zu meinem Ausgangssatz zurück bringt.


Denn selbst im Park, inmitten einer schon erstaunlichen Natur, mit Bäumen, die so krumm und schief als Kulisse unzähliger Filme, Musikvideos und gar eines U2-Konzeptalbums dienten, blieb der Zauber verborgen. Uns fehlten Muße und Konstitution für eine längere Wanderung in die verborgenen Winkel des Parks, überdies konnten wir uns nicht vorstellen, dass er drei Stunden abseits der Straße anders aussehen würde, als nach den 15 Minuten, die wir gelaufen waren. Staub, ein paar exotische Sträucher und eben diese in der Tat faszinierenden Bäume, an welche man sich jedoch nach wenigen Minuten auch schon wieder gewöhnt hatte.

So düsten wir von Haltepunkt zu Haltepunkt und konnten uns nur noch zu einer kleinen Rundwanderung am Barker Dam überwinden, die zu einem Wasserreservoir führt, welches für Wildtiere genutzt wird. Dabei kommt man an einigen interessanten Felsformationen vorbei und hat Chancen, das ein- oder andere Nagetier zu Gesicht zu bekommen, Wasser gab es allerdings zumindest bei unserer Wanderung nicht zu sehen. Leider befeuerte dieser Spaziergang unseren Eindruck, dass es in dieser Wüstenlandschaft zwar ganz nett war und sich ein solcher Joshua Tree gut im eigenen Garten machen würde, sich das Abenteuer ansonsten aber in Grenzen hält. Diesen Nationalpark würde ich eher jenen Wanderlustigen empfehlen, die auf stets ähnlich aussehenden Pfaden durch das Wandern selbst zu sich finden möchten.


Wir verließen den Park auf der anderen Seite und erlebten unser Highlight, welch eine Ironie, erst außerhalb selbigem, als uns so langsam das Benzin auszugehen drohte und wir mitten im nirgendwo der Route 66 auf eine Tankstelle, Roy‘s Gasoline, trafen, die nirgendwo sonst besser platziert gewesen wäre. Eine Bilderbuchszenerie, welche jedem Roadmovie entsprungen sein könnte. In rot und weiß witterte sie vermutlich schon seit Jahrzehnten vor sich hin und konnte mit altertümlichen Zapfsäulen ebenso punkten, wie mit dem jungen Verkäufer, der in einem so harten Akzent sprach, dass man sich tief in der Prärie wähnte. 


Neben der Tankstelle lagen ein paar weiße Holzhütten, welche das Bild als Roy’s Vacancy Motel & Cafe endgültig abrundeten. Ein lebendig gewordenes Motiv aus unzähligen Bildbänden über Roadtrips in den Vereinigten Staaten.

Um den Überraschungseffekt noch zu steigern, trafen wir genau dort erneut auf einige Deutsche, aber diesmal nicht aus der oben beschriebenen nervigen Kategorie, sondern zu unserem Erstaunen ein junges Pärchen aus exakt dem selben kleinen Heimatort im Osten Deutschlands, aus dem auch meine Partnerin stammt. So abgedroschen der Spruch ist, stimmt er doch immer mal wieder: Wie klein doch die Welt ist. Dem Anlass entsprechend ließ ich die drei Locals eine kleine Party auf den Ziffern der berühmtesten Straße der Welt feiern und viele gemeinsame Erinnerungen an die Heimat austauschen.


Im Zuge unserer Weiterfahrt und auch noch bei unserer Ankunft am abendlichen Zielpunkt, Kingman Arizona, war diese Begegnung Gesprächsinhalt Nummer eins und fügte dem ganzen zäh dahingeflossenen Tag eine positive Erinnerung bei. Manchmal sind es die unerwartet am Wegesrand liegenden Erlebnisse, die über gute und schlechte Tag entscheiden. Erstaunlich.


Wir spazierten zum Abschluss des Tages noch ein wenig durch Kingman, einer im alten Westernstil hängengebliebenen Stadt mit Saloons, Bars, kleinen Souvenir- und Antiquitätenshops am Wegesrand, Tankstellen, einem großen Supermarkt und aufgrund der Nähe zum Grand Canyon natürlich unzähliger Übernachtungsmöglichkeiten. Wir checkten in einem günstigen Motel ein, ließen den Tag Revue passieren, planten den folgenden und genossen es, die Beine auf dem großen Bett auszubreiten und vom TV berieselt zu werden. Süße Zivilisation…


Keep on rockin’
Ree

(c) Daniel Schröer

Mitglied im Deutschen

Fachjournalisten Verband

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